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#nofilter: Lass uns über Menstruation sprechen

#nofilter: Lass uns über Menstruation sprechen

Seit dem 01. Januar 2020 gilt in Deutschland der ermäßigte Steuersatz auf Menstruationsprodukte. Ein echter Meilenstein, denn nach wie vor wird das Thema Menstruation als gesellschaftliches Tabu angesehen. Und auch wenn das Gesetz – angestoßen durch Journalistin Jule Schulte – von zum größten Teil männlichen Politikern verabschiedet wurde, haben wir noch einen langen Weg vor uns …*

#nofilter: Lass uns über Menstruation sprechen

Warum ist das Thema Periode tabu?

Ob unkonventionelle Bezeichnungen wie „Erdbeerwoche”, „Rote Welle”, „Los Wochos” und „Tante Rosarot aus Unterleipzig” oder die Art und Weise, wie unsere Kollegen diskret wegschauen, wenn wir einen Tampon bedeckt herausholen, um damit schnell auf Toilette zu verschwinden – all das erzeugt das berühmte Perioden-Schamgefühl. Eine von Splendid Research durchgeführte Umfrage zum Thema Menstruation zeigt, dass der Kauf von Menstruationsartikeln jeder zehnten Frau in Deutschland unangenehm ist.

Ich erinnere mich an mindestens zehn Mädchen aus der Schulzeit, die regelmäßig mit einem Attest vom Arzt ankamen, um während ihrer Periode nicht am Schwimmunterricht teilnehmen zu müssen. Dabei gibt es keinen Grund, während der Periode aufs Schwimmen zu verzichten.

Meine Freundinnen fragten mich ständig, ob auf ihrer Hose Flecken zu sehen waren. War dies nicht der Fall, banden sie sich sicherheitshalber trotzdem eine Strickjacke um die Taille.

Als ich meine Periode zum ersten Mal bekam (ungefähr einen Monat nach meinem zwölften Geburtstag), hatte ein Freund eine Poolparty organisiert und anstatt meinen Freundinnen zu sagen, dass ich menstruiere, behauptete ich, eine Ohrenentzündung zu haben. Ich habe mich geschämt, mit ihnen darüber zu sprechen. Bevor ich also überhaupt Zeit hatte, mich mit den erstaunlichen Dingen auseinanderzusetzen, die mein Körper jetzt tun konnte (man muss zugeben – ob der Kinderwunsch besteht oder nicht – die Fähigkeit, Leben zu schenken, ist erstaunlich), hatte ich bereits das Gefühl, nicht darüber reden zu dürfen.

Doch warum sollten wir über etwas schweigen, das mehr als 40 Jahre unseres Lebens die Gesundheit und das Wohlbefinden beeinflusst?

Die Antwort lautet: Wir sollten nicht.

Positive Veränderung: Das Stigma langsam brechen

Es hat eine Weile gedauert, bis mir klar wurde, dass man über Menstruation offen sprechen muss, und noch länger, bis ich wirklich darüber sprechen konnte. Meine persönliche Weiterentwicklung hat natürlich einen Teil dazu beigetragen aber auch inspirierende, positive Werbekampagnen zum Thema Periode hatten immensen Einfluss auf meine heutige Einstellung.

Das Blut-Emoji

Vor kurzem wurde ein neuer Blutstropfen-Emoji für Apple und Android veröffentlicht. Als Symbol für Menstruation wird dieses Emoji als Schritt zur Normalisierung der Periode gefeiert. Doch kann ein Emoji wirklich etwas bewirken? Nun, in der heutigen Zeit, in der Menschen Emojis nicht nur zum Spaß verwenden, sondern damit ihre wahren Emotionen ausdrücken, könnte dieser Blutstropfen zum universellen Symbol dieses Themas werden. Ebenso wie Emojis mit unterschiedlichen Hauttönen und Haarfarben entscheidend dafür sind, dass sich jeder repräsentiert fühlt, ist dieser kleine Blutstropfen ein bedeutender Beitrag dazu, das Tabu um das Thema Menstruation zu brechen. Zugegeben, es ist nicht der präziseste Hinweis auf die Menstruation, aber besser als nichts, oder?

Kostenlose Menstruationsprodukte: Bekämpfung der Period Poverty

Noch wichtiger ist, dass die sogenannte „Period Poverty”** in den letzten Jahren immer mehr mediale Aufmerksamkeit bekommt. Die britische Vertretung der Kinderrechts-Organisation, Plan International UK, hat festgestellt, dass sich jedes zehnte Mädchen in Großbritannien keine Menstruationsprodukte leisten kann und dass 49 Prozent der Mädchen aufgrund ihrer Periode ganze Schultage verpassen.

Für Deutschland gibt es in diesem Bereich noch keine offiziellen Zahlen. Dabei wäre diese Studie längst überfällig. Laut eines Zeitungsartikels zahlt jede menstruierende deutsche Frau im Laufe ihres Lebens im Schnitt 20 Tausend Euro für Tampons, Binden, Schmerztabletten, neue Unterwäsche, Verhütungsmittel und weitere Hygieneartikel.

Als ich diese Geschichte zum ersten Mal hörte, schien es mir lächerlich, dass dies ein Problem in einem so reichen Land wie Großbritannien darstellen sollte. Es traf mich jedoch sehr, als mir eine meiner engsten Freundinnen erzählte, dass sie früher Toilettenpapier um ihre Unterhose gewickelt hatte, weil sie nicht genug Geld hatte, um angemessene Produkte zu kaufen. Vielleicht kennst du auch ähnliche Geschichten von Mädchen aus deinem Umfeld, die Socken, Pappe und Zeitung benutzt haben.

Das kürzlich in Großbritannien verabschiedete Gesetz über kostenlose Periodenartikel ermöglicht nicht nur den Zugang zu angemessenen Menstruationsprodukten, sondern hilft, das Periodendenken zu verändern. Jeder, der sich mit Periodenarmut befasst und über Menstruation offen spricht, hilft, das Tabu zu brechen.

Sei ein Teil der Veränderung

Du möchtest auch helfen und dem Thema mehr Gehör verschaffen? Dann fang jetzt damit an.

  • Nenn das Kind beim Namen

Sag Menstruation und statt „Hygieneprodukte” „Menstruationsprodukte”. Denn an einer Periode ist nichts unhygienisch oder schmutzig.

  • Glaube nicht allem, was du im Internet siehst

Sucht man im Internet nach Bildern zum Thema „Frau und Periode”, dann sieht man überall zusammengekauerte Frauen samt Wärmflasche und einem gequälten Gesichtsausdruck. Doch Fakt ist: Periode macht uns nicht automatisch schwach oder verletzlich, auch wenn diese Bilder darauf hinweisen. Denk immer daran.

  • Verwende den Hashtag #nofilter auf Social Media


Es überrascht mich immer wieder, wie viele Frauen nicht wissen, was mit ihrem Körper während ihres monatlichen Zyklus geschieht. Wenn du auch nicht sicher bist, beginne damit, dich weiterzubilden, und gib dein neugewonnenes Wissen an die Frauen und Männer in deinem Umfeld und auf Social Media mithilfe des Hashtags #nofilter weiter. Bildung ist der einfachste Weg, Tabus zu bekämpfen.

#nofilter

Unter dem Hashtag #nofilter findest du ab sofort Blogbeiträge, die sich mit kontroversen Themen rund um die Frau befassen. Damit wollen wir mehr Gehör verschaffen, Toleranz fördern sowie eine Plattform für Tabu-Topics bieten. Verwende den Hashtag #nofilter sowie #glossybox_de und trau dich, offen über Themen zu sprechen, die dich im täglichen Leben beschäftigen.


**Der Begriff „Period Poverty” oder „Periodenarmut” bezeichnet die Tatsache, dass sich viele Mädchen und Frauen Menstruationsprodukte nicht leisten können und damit jeden Monat für mehrere Tage nicht am normalen Leben teilnehmen können.

*Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit GLOSSYBOX UK und unserer Mitarbeiterin Eleanore Nash entstanden. Den Originalartikel findest du hier.



Diana Damm

Diana Damm

Writer and expert

Vorsicht, bissig! Aber nur vor dem ersten Kaffee! ;) Danach besteht meine Mission darin, Themen zu suchen und Texte zu produzieren, die dein Beauty-Herz glücklich machen. Denn, um es in Audrey Hepburns Worten zu sagen: „I believe happy girls are the prettiest!"


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