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#nofilter: Mit Tamponfäden gegen die Periodenscham

#nofilter: Mit Tamponfäden gegen die Periodenscham

This Girl Can – eine Frauen-Empowering-Kampagne von Sport England – bricht mit ihrem aktuellen Spot die Lanze. Wofür? Für Tamponfäden in der Öffentlichkeit. Die revolutionäre Werbung, in der eine Frau, die Yoga gegen Regelschmerzen betreibt, einen heraushängenden Tamponfaden zeigt, wird als tabubrechend gefeiert.

Es hat lange gedauert, bis eine Kampagne endlich die ungefilterte Realität der Periode gezeigt hat, aber besser spät als nie! Das Video hat eine so positive Resonanz gehabt und wirft die Frage auf, warum es solch eine Werbung für Menstruationsprodukte erst jetzt gibt – besonders wenn eine von vier Frauen während ihrer Periode Schamgefühle erlebt …*

#nofilter: Mit Tamponfäden gegen die Periodenscham

Wie verstärken Bilder und Werbung die Periodenscham?

  • Menstruierende Frauen werden oft als schwach dargestellt

Wie sehen typische Bilder von Frauen während ihrer Periode aus? Sie zeigen zusammengekauerte Betroffene, die mit einem schmerzerfüllten Gesichtsausdruck ihren Bauch umklammern. 91 Prozent der Bilder zum Thema Menstruation zeigen genau das, wie kürzlich eine Marktforschungs-Recherche auf über 100 Webseiten zu periodenbezogenen Inhalten ergab. Frauen werden darauf verletzlich, schwach und/oder verärgert abgebildet.

Dieselbe Forschungsumfrage ergab auch, dass 56 Prozent der Frauen sich mit diesen Darstellungen nicht identifizieren konnten, während 40 Prozent der Befragten meinten, solche Bilder würden das Perioden-Schamgefühl fördern.

Ich habe das Glück zu den 56 Prozent zu gehören, die sich nicht mit diesen Bildern identifizieren können. Ich leide selten unter meiner Periode und fühle mich (bis auf gelegentliche Krämpfe) nicht beeinträchtigt. Jemand wie ich kann solche Bilder also schnell als übertrieben abstempeln und darauf pochen, dass Frauen bei ihrer Periode – entgegen des Mythos – alles tun können.

  • Bilder, die das Gegenteil zeigen, helfen nicht

Es bringt jedoch auch nichts, sich in das andere Extrem zu stürzen, denn das führt nur dazu, was ich als die „Power-Frau in Weiß” aus der Klischee-Tamponwerbung bezeichne. Ungefähr so: Die Hauptdarstellerin trägt eine weiße Hose oder einen Minirock und ist extrem aktiv (sie übt für gewöhnlich irgendeine sportliche Aktivität aus, läuft oder lacht). Sie scheint vollkommen glücklich und unbekümmert und das alles NUR, weil ihr Menstruationsprodukt angeblich so wirksam ist.

Der Anfangsgedanke scheint positiv (Frauen können trotz Periode aktiv sein und sich gut fühlen), deutet er jedoch darauf hin, dass es etwas Abnormales an Frauen gibt, die sich während der Menstruation müde und träge fühlen. Und genau hier liegt das Problem. Wenn 56 Prozent der Menstruierenden sich nicht mit Bildern von Frauen, die sich vor Schmerzen krümmen, identifizieren können, bedeutet das immer noch, dass die übrigen 44 Prozent genau dies tun …

Sensibilisierung für Regelschmerzen, um Periodenscham zu beenden

Wusstest du, dass eine von zehn Frauen unter starken Regelschmerzen leidet und diese als sehr belastend empfindet?

  • Über Dysmenorrhoe (Menstruationsbeschwerden)

Wenn du Schmerzen hast, die nicht durch rezeptfreie Schmerzmittel gelindert werden können, leidest du womöglich an Dysmenorrhoe oder schweren Menstruationsbeschwerden. Während der Periode, zieht sich die Muskelwand der Gebärmutter zusammen, um Schleimhaut abzustoßen. Wenn diese Kontraktionen zu starken Krämpfen werden, kann dies zu Schmerzen im Unterbauch, dem unteren Rücken und in den Oberschenkeln führen. Auch starke Müdigkeit gehört zu den typischen Symptomen.

Es gibt zwar nicht genügend Forschungsergebnisse zu Dysmenorrhoe, aber die Frauen, die daran leiden, können bezeugen, wie schnell sie einen außer Gefecht setzen kann. Frag einfach in deinem Freundeskreis nach und du wirst schnell feststellen, dass es durchaus verbreitet ist.

Wie können wir der Periodenscham ein Ende setzen?

Wie können wir uns also für periodenbezogene Schmerzen wie Dysmenorrhoe sensibilisieren, ohne das abfällige Bild einer periodengeschwächten Frau zu stärken? Nun, es liegt an uns, neue, realistische Bilder zu zeigen – im Internet, in Anzeigen, in Kampagnen …

Die Werbung für Menstruationsprodukte verändert sich – aber reicht das aus?

Zum Glück gibt es mittlerweile genügend mutige Beispiele, die Werbung für Menstruationsprodukte revolutionieren:

  • Zum Beispiel die Werbung der Periodenunterwäsche-Brand Thinx, die allerdings Ende 2019 in den USA verboten wurde, weil sie ein Tamponband zeigte, das aus dem Slip der Frau herausschaute.
  • Auch die britische Marke Bodyform bricht mit Konventionen und zeigt in ihrer Werbung rote statt blaue Flüssigkeit.
  • Oder die Australische Hygieneartikel-Marke U by Kotex, die im Jahr 2010 typische Menstruationsanzeigen parodierte.

Dennoch konzentrieren sich Menstruationsanzeigen nach wie vor auf zwei vermeintlich wichtige Dinge: Wie diskret die Verpackung ist (nicht, dass der Kunde im Nebengang noch ein verräterisches Rascheln hört) und wie zuverlässig das Produkt Gerüche blockiert (was die Vorstellung verstärkt, dass die Periode stinkt und schmutzig ist).

Fazit: Fortschritte sind da, aber es ist noch ein langer Weg, bis die Periodenscham überwunden ist. Deshalb könnten Brands, die Menstruationsartikel herstellen, sich ein, zwei Dinge aus dem neuesten Video von This Girl Can auf die Fahne schreiben.

THIS GIRL CAN: Neue Empowering-Kampagne zeigt die Periodenrealität

Das erste Video, das erfolgreich die ungefilterte Realität der Periode zeigt, ist die jüngste Kampagne „Me Again” von This Girl Can. Zu den echten Frauen, die für das Video ausgewählt wurden, gehört Hannah, die unter schweren Menstruationskrämpfen leidet und Sport treibt, um ihre Symptome zu lindern.

In dem Video sieht man sie zu Beginn auf ihrem Bett mit einer Wärmflasche auf dem Bauch. Später sehen wir sie im Fitnessstudio, wie sie ihre Leggings über ihre Unterwäsche zieht, aus der ein Tamponfaden herausschaut. In der letzten Einstellung macht sie Yoga.

Die ganze Wahrheit über die Periode

Es gibt zwei Gründe, warum diese Kampagne durch die Decke gegangen ist: Erstens zeigt sie eine echte Tamponschnur (die nicht revolutionär sein sollte, es aber ist) und zweitens bietet sie eine unverblümte Sicht auf die Periode – manchmal sehr schmerzhaft, aber auch gut zu handhaben, wenn man lernt, richtig damit umzugehen.

Bildung ist der Schlüssel

Hannah leidet sehr unter ihrer Periode. In einem Interview sagte sie: „Manchmal quäle ich mich mit großen Schmerzen zur Arbeit […] Die meisten Leute haben nicht die leiseste Ahnung, wie schlimm es sein kann”. Also beschloss sie, sich über den Umgang mit Menstruationskrämpfen zu informieren und fand heraus, dass Sport helfen kann. Sie spricht nun offen über ihre Periode, bleibt aktiv und ignoriert die Stereotypen, die Frauen während ihrer Periode umgeben. Das ganze Video ermutigt Menstruierende, ihr gleich zu tun.

Wie können wir also der Periodenscham ein Ende bereiten?

Beginnen wir damit, Werbung zu ignorieren, die uns fälschlicherweise verklickert, Periode sei keine Entschuldigung für Müdigkeit. Aber auch Bilder, die durch Periode geschwächte Frauen zeigen, sind mehr als unangebracht. Stattdessen sollten wir uns stetig weiterbilden und lernen, Symptome richtig zu behandeln. Am Wichtigsten ist jedoch, dass wir uns bewusst machen, dass jede Frau ihre Periode anders erlebt, indem wir offen über individuelle Erfahrungen sprechen, bis #nofilteronperiods in unseren Köpfen etabliert ist und wir beim Tamponfaden-Blitzer nicht mehr beschämt wegschauen.

#nofilter

Unter dem Hashtag #nofilter findest du ab sofort Blogbeiträge, die sich mit kontroversen Themen rund um die Frau befassen. Damit wollen wir mehr Gehör verschaffen, Toleranz fördern sowie eine Plattform für Tabu-Topics bieten. Verwende die Hashtags #nofilter sowie #glossybox_de und trau dich, offen über Themen zu sprechen, die dich im täglichen Leben beschäftigen.

*Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit GLOSSYBOX UK und unserer Mitarbeiterin Eleanore Nash entstanden. Den Originalartikel findest du hier.



Diana Damm

Diana Damm

Writer and expert

Vorsicht, bissig! Aber nur vor dem ersten Kaffee! ;) Danach besteht meine Mission darin, Themen zu suchen und Texte zu produzieren, die dein Beauty-Herz glücklich machen. Denn, um es in Audrey Hepburns Worten zu sagen: „I believe happy girls are the prettiest!"


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